Die Wolle

Die von den Satinangoras gewonnenen Haare kann man (wie natürlich die Wolle aller Angora­kaninchen) ver­spinnen und auch filzen. Durch die Feinheit und den Glanz ist es ein sehr edles Material, welches man in verschiedenen, miteinander harmonierenden Naturtönen verarbeiten kann.

Zum Spinnen muss es nicht vorbereitet werden, sondern kann direkt vom Kaninchen, so wie es ist, versponnen werden. Es wird gerne rein, aber auch mit anderen Fasern gemischt, versponnen. Satinangorawolle ist etwas schlüpfriger als normale Angorawolle, spinnt sich aber recht gut. Allerdings sollte man sie mit relativ starkem Drall verspinnen.

Das Haar der Satinangoras eignet sich auch gut zum Filzen. Zum Beispiel für edle Nunofilze auf Seide. Während sich die Haare erwachsener und älterer Jungtiere gut spinnen lassen, ist die geschorene Nestwolle und die Wolle jüngerer Tiere ideal zum Filzen geeignet. Aber auch die Verarbeitung in Wollmischungen ist gut möglich.

Natürlich kann man die Fasern auch färben. Naturfarbige Wolle überfärbt gibt schöne Nuancen. Das Färben von verschieden­farbiger Wolle (z. B. weiß, chin, schwarz oder weiß, rot, wild) mit nur einer Farbe ergibt in Kombi­nation mit der unge­färbten Wolle viele miteinander harmo­nierende Farb­töne.

Haar vom roten Satinangora, frisch vom Kaninchen, kann sofort versponnen werden
hier fertig gesponnen
geschorenes KaninchenAngora wildfarbig, z.T. gefärbt.

geschorenes KaninchenEin gewebter Schal aus der ungefärbten wildfarbigen Angorawolle
Schal und Handschuhe aus Wolle vom schwarzen Angora

Das Zupfen, Pflücken oder Ernten der Haare

halb gezupftes Kaninchen Die Wolle der Satinangoras wird ausgekämmt oder sanft ausgezogen, während sich das Tier im Haarwechsel befindet und die Haare sich in der Haut gelöst haben. (Bitte nicht verwechseln mit Berichten von gerupften Angoras, die hinterher nackig und blutig sein sollen und z.T. danach Pullover tragen müssen.) Die Satinangoras sind so nie ganz kahl, da die neue Wolle schon wieder etwas nachgewachsen ist. Die meiste Zeit sitzen sie recht friedlich da und lassen sich die Haare "rauben" es sei denn, es wird zu langweilig - man ist ja neugierig. An besonders empfindlichen Stellen kann man die Schere zu Hilfe nehmen. In der Nähe der Vorderbeine zucken einige beim Zupfen ein wenig und ich hatte Angst, dass es ihnen weh tut. Ich habe aber bemerkt, das sie genau so zucken, wenn man sie in dieser Gegend leicht antippt (auch, wenn man das 10 x hintereinander macht).

Bisher hatten auch alle Tiere, in die deutsches Angoras eingepaart ist, diesen natürlichen Haarwechsel und ließen sich daher auch zupfen. Lediglich ein Tier der F1-Generation habe ich ein paar mal geschoren, da die Wolle lang war aber noch nicht ausging, dazwischen wurde es wieder gezupft.
neues Fell mit einem Büschel alten FellDie Tiere haben immer 2 Sorten Fell, ein altes und ein neues, manchmal auch noch ein drittes. Das alte Fell wächst noch eine Zeit lang weiter mit und geht dann aus. Im Foto rechts ein frisch gezupftes Fell mit einem Büschel langem Haar.

Dieses Phänomen entsteht so:Die Haarknospen, in denen die Haare gebildet werden, unterliegen einem Zyklus mit verschiedenen Phasen.Befinden sie sich in einer aktiven Phase, wächst das Haar. In der Ruhephase reift es und fällt dann aus. Nun haben aber nicht alle auf dem Kaninchen befindlichen Haarknospen den selben Biorhythmus, sondern ein Teil befindet sich in der Ruhephase, während sich ein anderer Teil gerade in einer Wachstumsphase befindet. So kommt es zu unterschiedlich langen Haaren im Fell. Durch das gleichzeitige Entfernen der reifen Haare wird der Zyklus der Haarknospen einander angeglichen.

Erfahrungsgemäß ist es ein guter Zeitpunkt für die Wollernte, wenn das neue Fell 3-4 cm lang und auch an den Seitenpartien bereits vorhanden ist (da wächst es meist etwas später, die Haare wechseln nicht überall gleichzeitig). Man merkt beim Zupfen genau, welches alte oder neue Haare sind, die neuen gehen nicht raus. Die alten auch nicht, wenn sie noch nicht reif sind. Dann lässt man das Kaninchen halt halb gezupft und holt die "späten" Stellen später nach. Spätestens wenn die Haarspitzen anfangen, zusammen zu kleben, ist es höchste Zeit für die Wollernte. Wenn man nicht aufpasst, kann es vorkommen, dass das Tier von "außen" noch relativ gut aussieht und unten drunter bereits fleißig filzt. Also öfter mal kontrollieren, damit die Tiere nicht anfangen zu filzen. Im Endeffekt ist das Entnehmen der reifen Haare nichts anderes, als das, was ein Züchter normalhaariger Tiere macht, wenn er diese "beim Fellwechsel unterstützt", indem er sie kämmt, bürstet, abgestorbenes Haar mit den Fingern auskämmt oder Filzstellen entfernt.

In dieser "gepflückten" Wolle sind keine kurzen Haarstückchen enthalten, wie sie beim Scheren doch nicht ganz zu vermeiden sind. Deshalb ist sie besonders hochwertig und durch die immer neu wachsenden Haare auch besonders farbkräftig.

Zur Wollernte nimmt man das Kaninchen auf den Schoß. An den Bauch kommt man, indem man sich das Tier, je nachdem, mit Kopf oder Hinterbeinen unter den Arm nimmt. Hier findet man Fotos über diese Haltetechnik. Wenn man dabei sitzt, kann man das Kaninchen auch mit( oder auch ohne) festgeklemmten Hinterbeinen auf den Schoß legen und die Ohren zwischen den Knien festhalten, dann hat man beide Hände frei.

Das Pflücken der Wolle dauert zwar länger als eine Schur, bietet aber auch eine Reihe von Vorteilen:

Das Scheren

Das passiert - genau - mit einer Schere. Wer viele Angoras hat, benutzt dagegen wahrscheinlich eine Schermaschine, ähnlich den Haarschneidemaschinen. Wenn man weiß wie es geht und vorsichtig ist, wird man das Kaninchen auch nicht schneiden. Der Rücken und die Seiten werden geschoren, während das Kaninchen auf dem Tisch sitzt, für den Bauch hält man es umgedreht im Arm, indem man, je nachdem, den Kopf oder die Hinterbeine mit dem Arm etwas festklemmt, damit es nicht zappeln kann. Die 2. Hand braucht man ja für die Schere. Zum Halten des Kaninchens siehe oben.

Kaninchen mit langem HaarDas ist Alma, hier vor der 2. Schur (ca. 3 Monate alt)
geschorenes KaninchenUnd das ist danach, da sieht sie ein bisschen winzig aus. Und irgendwie hat sie furchtbar große Ohren.
geschorenes KaninchenWenn sie gezupft wird, sieht man wieder die hübsche Chinchilla-Musterung. Hier ist sie ca. 7 Monate alt.

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