die Grundfarben verändernde / beeinflussende Faktoren
Hier geht es um Faktoren, welche Silberung, Scheckung oder eine Veränderung der Intensität von Gelb/Rot und Schwarz verursachen.
Modifikationsgene kontra Gelbverstärker und Eisengrau
Hochstrasser schreibt:
"Im Folgenden soll dargestellt werden, daß es keinen Be (international Es) geschriebenen Eisengrau-Faktor als Super-B-Faktor gibt, sondern nur dominante Eumelaninverstärkerfaktoren E aus der Eumelaninkontrollfaktorenreihe, und daß es keine die rote Färbung bedingenden rezessiven y-Gelbverstärkerfaktoren, sondern nur dominante Phäomelaninverstärkerfaktoren aus der Phäomelaninkontrollreihe gibt. ...
... Die Dominanz des idealen Wildkaninchengrau über hellere Färbung zeigt, daß die von den ersteren getragenen Modifikationsgene als dominante Allele der Reihe für Eumelanin- und der Reihe für Phäomelaninkontrolle dargestellt werden müssen. Beide Reihen (Serien) beginnen bei einer fast nicht vorhandenen Färbung größten Helligkeitsgrades und enden bei der stärkst möglichen Färbung (Schwarz bzw. Rot). ...
...Die ganze Eumelaninkontrollreihe lautet von Hellst nach Dunkelst e3 - e 2 - e1 - E1 - E2 - E3, die ganze Phäomelaninkontrollreihe aber y3 - y2 - y1 - Y1 - Y2 - Y3. Die dem Wildkaninchengrau gegenüber rezessiven Allele erscheinen mit kleinen Buchstaben geschrieben, die Dominanz steigt von links nach rechts um das Doppelte an Stärke des vorherstehenden Allels. ...
... Sie können gemeinsam, aber auch getrennt in Aktion treten, und entweder gleichsinnig (beide in Richtung Verstärkung oder beide in Richtung Verminderung) oder entgegengesetzt wirken."
Ich nenne der Einfachheit halber die Eumelaninkontrollreihe Schwarzmodifizierer und die Phäomelaninkontrollreihe Rotmodifizierer. Des weiteren gebe ich dem Schwarzmodifizierer das Symbol N (N = niger = schwarz), da E in der internationalen Symbolik bereits belegt ist. Die Rotverstärker werden international durch R symbolisiert (R = rufus = rot). Dann hätten wir also:
Rotmodifizierer (oft auch Verstärker genannt)
r3 - r2 - r1 - R1 - R2 - R3y3 - y2 - y1 - Y1 - Y2 - Y3
Schwächt oder verstärkt die Ausprägung des gelben/roten Farbstoffes um den Faktor 1, 2, 4, 8, 16 oder 32 (laut Hochstrasser), wobei die Stärke beider Allele addiert wird.
Schwarzmodifizierer (oft auch Verstärker genannt)
n3 - n2 - n1 - N1 - N2 - N3e3 - e2 - e1 - E1 - E2 - E3
Schwächt oder verstärkt die Ausprägung des schwarzen Farbstoffes um den Faktor 1, 2, 4, 8, 16 oder 32 (laut Hochstrasser), wobei die Stärke beider Allele addiert wird.
Man kan auch einfach nur N oder R bzw. n oder rE oder Y bzw. e oder y schreiben, um zu zeigen, das gelb/rot oder schwarz verändert wird.
Im Foto 4 wildfarbige Kaninchen, (das 2. von links ist ein Satin) das 1. und 4. von links mit mehr rot, das 2. mit mehr Rot und mehr Schwarz, das 3. mit weniger Rot und weniger Schwarz: ABCDGeY | ABCDGEY | ABCDGey | ABCDGeYABCDEnR | ABCDENR | ABCDEnr | ABCDEnR.
r2/r2y2/y2 würde also (2+2=4) eine Stärke 4 des roten Pigmentes bedeuten, n1/N2e1/E2 (1+16=17) die Stärke 17 des schwarzen Pigmentes. Die Zahlenangaben der Stärke sind sicher nicht praxisrelevant, da am Tier nicht nachzuvollziehen, aber ich finde das trotzdem recht interessant.(Auf die Erklärung über das Zustandekommen der verschiedenen wild- und hasengrauen Färbungen, woraus er das ableitet, will ich hier nicht näher eingehen.)
Mir war bisher immer unklar, wie sich die Rotverstärker ry anhäufen können. Hätte ein Kaninchen dann mehr Gene als ein anderes? Oder gibt es viele gleiche Gene mit je 2 Allelen und alle müssen reinerbig das rezessive Allel tragen? Bei Kreuzungen mit "nichtroten" Tieren sind sie trotzdem sichtbar (wildfarbiger Nachwuchs mit deutlichem Rotstich), obwohl sie rezessiv sind, wie das? Rote Kaninchen sind wildfarbig, aber das muss verdrängt und A durch aG durch g in der Wirkung eingeschränkt werden?
Alle diese Fragen und Ungereimtheiten lösen sich mit dem von Hochstrasser vorgeschlagenem Modell. Hier hat jedes Tier genau je 2 Allele der Schwarz- und der Rotmodifiziererreihe, welche sich zu unterschiedlich starker Farbausprägung addieren und in ihrer Kombination eine Vielzahl von Farbnuancen ergeben. Z. B. eisengrau, dunkelgrau, wildgrau, hellwildgrau, hasengrau, hasenfarbig oder Deilenaar. Ein weiteres Beispiel sind die Celler Weißen und die Schwarzgrannen (Celler Weiße - mögl. reinweiß, Schwarzgrannen weiß mit schwarzen Grannenspitzen).
Die von mir gezüchtete F1-Generation von Angora weiß RA und Satin rot bestätigt die Theorie bezüglich nicht rezessiver Rotmodifizierer. Alle Tiere waren deutlich röter als normal wildgraue.
Die Modifizierer in ihren stärkeren Formen sollen auch für das Einwandern der gelben/roten bzw. schwarzen Pigmente in die Wildfarbigkeitsabzeichen verantwortlich sein. Auf internationalen Webseiten bzw. Mailinglisten dagegen wird die Meinung vertreten, dass für ein komplett rotes Kaninchen der Breitbandfaktor zwingend erforderlich ist und ohne diesen die Wildfarbigkeitsabzeichen nicht wirklich Rot werden können.
Die Verminderung des schwarzen Pigmentes kann man am besten am zurückgehenden Schwarz der Haarspitzen und der Ohrenumrandung erkennen.
Alle roten Kaninchen erzielt man demzufolge mit möglichst schwachen Schwarzmodifizierern und je nach Rasse verschieden starken Rotmodifizierern. Die ideale Farbformel für meine roten Satinangoras muss also ABCDenxR3AbCDGexY3 lauten.
Silberungsfaktor
Sip = keine Silberung
Die Silberung ist seltsamerweise international als rezessiv angegeben und im deutschen als dominant. Sie verhält sich ähnlich den Rot- und Schwarzmodifizierern und ist in verschiedenen Stärken möglich.
Im Foto ein helles und ein dunkles Silberkaninchen. Wahrscheinlich besitzt auch dieses Gen eine ganze Reihe additiver Allele (si1 si2 si3 ).
Die Silberung wird in der Regel erst beim 1. Haarwechsel ab 3 Monaten sichtbar.
Im Foto das gleiche Tier - ABCDgPaBCDEsi vor und am Ende der Haarung.
Rechts ein Widder gelbsilber - AbCDGPABCDesi
Breitbandfaktor
W = normale Zwischenfarbenbreite
w = breite Zwischenfarbe
Ein anderes, in Deutschland eher wenig bekanntes Gen ist der so genannte Breitbandfaktor, der in seiner rezessiven Form ww die Breite der Zwischenfarbe auf Kosten der Unterfarbe nahezu verdoppelt. Betroffene Tiere erkennt man an der fehlenden Unterfarbe im oberen Bauchbereich.
International ist er bei allen roten Kaninchen angegeben, was auch sinnvoll ist, da er den roten Bereich der Haare (die Zwischenfarbe) vergrößert und man daher dem ideal roten Kaninchen näher kommt. Der rote Bauch eines roten Kaninchen ist die Summe von ww und möglicht kräftigen Rotmodifizierern.
Mir ist aufgefallen, dass die Deckfarbe bei wildfarbigen Tieren mit diesem Faktor generell heller wirkt als bei denen ohne ihn. Es sind zu der breiteren Zwischenfarbe auch weniger dunkle Haarspitzen vorhanden. Im Foto 2 wildfarbige Satinangoras, links ohne, rechts mit dem Faktor - ABCDGYW | ABCDGYABCDERW | ABCDERw.
Es gibt ein weiteres Gen, welches die Zwischenfarbe auf ca. die Hälfte reduziert. (-w?) Möglicherweise sind auch verschiedene Zwischenstufen vorhanden (w1 w2). Ob das Allele eines Gens oder verschiedene Gene sind, ist nicht klar.
